Am Sonntag, dem 22.03.26 trafen sich Mitglieder und Gäste der Heimatpflege Klein-Gerau um 14:00 am Jüdischen Friedhof von Groß-Gerau.

Pfarrer Walter Ullrich und Dominik Veith vom Förderverein Jüdischer Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau e.V.  informierten uns über die Geschichte dieses Friedhofs.

Errichtet wurde der Friedhof 1841 und diente als Begräbnisstätte für die Jüdischen Gemeinden des Kreises Groß-Gerau, sowie Weiterstadt, Arheilgen und Griesheim. Diese waren in einem Jüdischen Friedhofsverband organisiert. Dies war somit auch der Friedhof für die jüdischen Mitbürger Klein-Geraus. Nebenbei: Auch die christlichen Bürger Klein-Geraus wurden lange Zeit in Groß-Gerau beerdigt (auf dem christlichen Friedhof), bis 1829 in Klein-Gerau ein eigener Friedhof errichtet wurde. 
Groß-Gerauer Juden wurden erst nach 1910 auf dem neuen Friedhof beerdigt, nachdem der zweite ("alte") jüdische Friedhof (1632-1910) geschlossen wurde. Dieser erstreckte sich entlang der Friedrich-Ebert-Anlage auf dem Gelände der Sparkasse. 
Der erste jüdische Friedhof hat wohl Ursprünge im 12. oder 13. Jahrhundert und wurde bis ins 17. Jahrhundert genutzt. Er wird etwas südlich der heutigen Prälat-Diehl-Schule verortet.

Jüdische Gräber sind ein "Haus der Ewigkeit" - sollen bleiben, bis der Messias kommt. Deshalb gibt es im Judentum in der Regel nur Erdbestattungen.
Die Verbrennung der ermordeten Juden in den KZ von Nazi-Deutschland war deshalb besonders perfide. 

Perfide waren die Nazis auch in Groß-Gerau! 1936 wurde der alte jüdische Friedhof eingeebnet, um Platz für die Erweiterung des damaligen Landratsamtes zu schaffen. Jüdische Bürger wurden gezwungen, die Gebeine ihrer Ahnen auf den neuen Friedhof umzubetten, wo sie in ein Massengrab verbracht wurden. Beraubt ihrer Ruhe, anonym - beraubt des Gedenkens ihrer Namen. Eine Gedenktafel weist auf das Ereignis hin. 
Auch die Gedenktafel der für Deutschland gefallenen jüdischen Soldaten im 1. Weltkrieg wurde geschändet, indem man ihre Namen entfernte. 

Nach dem 2. Weltkrieg war Ludwig Goldberger der einzige Jude, der in seine Heimatstadt zurückkehrte und es sich zur Aufgabe machte, den Friedhof zu betreuen. Er ist eine von zwei jüdischen Personen, die nach dem 2. Weltkrieg auf diesem Friedhof begraben wurden.
Die beiden neueren Gräber haben eine Einfassung, wie es bei christlichen Gräbern üblich ist. 
Eine zunehmende Integration der jüdischen Bürger im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert lässt sich an den Grabinschriften ablesen. Hatten die älteren Gräber eine hebräische Inschrift, nahm bei jüngeren Gräbern der Anteil der lateinischen Schrift in der Inschrift zu.

Heute finden sich aktive Jüdische Friedhöfe in den großen Gemeinden, wie in Darmstadt oder Frankfurt. Viele Juden lassen sich auch in Israel begraben, im heiligen Land, wo der Messias erwartet wird. Auch entgeht man so der Schändung von Gräbern, die auch im Nachkriegsdeutschland immer wieder einmal vorkommen, 1963 auch in Groß-Gerau.

Weiter Bilder:

   

 

 

 

 

Weitere Informationen:

Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau e.V.

https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdischer_Friedhof_Groß-Gerau

https://www.erinnerung.org